Nie vergessen

Ich muss euch ein kleines Geständnis machen. Ich bin ein Messie. Jedenfalls wenn es ums Reisen geht. Klar, ich bin auch (entgegen jeder Definition meines Sternzeichens) wahnsinnig unordentlich, aber ganz so schlimm ist es dann doch noch nicht. Dafür kann ich mich aber von keiner Eintrittskarte, keinem Stadtplan, keinem Flyer und auch nichts anderem trennen, das mich an all die Abenteuer und Erlebnisse meiner Reisen erinnert. Ich habe immer Angst, ich könnte irgendwann auch nur eine Sekunde davon vergessen. Wie ich mich gefühlt habe, als man mich in Bolivien auf dem Salar de Uyuni, mitten in der Pampa, ausgesetzt hat. Wie der kleine Affe aussah, der im „Zoo“ von Iquitos im peruanischen Amazonasgebiet auf meinem Schoß eingeschlafen ist. Wie Toby und ich gelacht haben, als im Hostel in Buffalo beide unsere Kreditkarten abgelehnt wurden und wir dachten, wir müssten die Nacht unter der Brücke schlafen. Wie ein ganzes Baseballstadion bei einem Red Sox Spiel „Sweet Caroline“ gesungen hat und ein 10-Jähriger übers Spielfeld geflitzt ist. Oder wie in Gloucester City, New Jersey, es ein Glühwürmchen geschafft hat, einen unheimlich peinlichen Moment immerhin etwas lohnenswert zu machen. Um nichts in der Welt würde ich all das, und genauso wenig alles andere, vergessen wollen. Also sammle ich. Ich sammle meine Erinnerungen in jeder erdenklichen Form. Ich mache so viele Fotos wie nur möglich, drucke E-Mails aus, die ich von unterwegs meiner Mama geschickt habe, und ich schreibe Tagebuch.

„15.August 2014 – Es geht nach Boston
Um 06:00 Uhr geht der Wecker, nach nur 3 ½ Stunden Schlaf. Wir putzen uns die Zähne und machen uns auf den Weg zur Port Authority, wo um 09:00 Uhr unser Bus nach Boston fährt. Innerhalb von 4 ½ Stunden sind wir am Ziel und finden auch relativ schnell den Weg zu unserer Unterkunft. Dort sind wir etwas geschockt, denn die Bleibe ist total für’n Arsch. Das Bett ist winzig, es gibt nur ein Kopfkissen, die Tagesdecke hat Brandflecken und an der Wand sind Blutspritzer. Wir duschen schnell (und mit geschlossenen Augen) und machen uns auf den Weg zum Fenway Park, wo wir uns Karten und eine Cap für das Red Sox Spiel morgen kaufen. Anschließend fahren wir zur Harvard University und checken den Campus ab.
Wetter: etwas frisch
Stimmung: entsetzt und müde
Zitat des Tages: „I’m driving you crazy all the way to Boston. Enjoy the madness“ – Busfahrerin im Greyhound“

Außerdem erstelle ich Playlists von Liedern, die mich auf meinen Reisen begleitet haben. Immer, wenn ich jetzt „Shake it off“ von Taylor Swift höre, sehe ich Toby und mich in unserem Motel Zimmer in Miami heftig mit dem Po wackeln. Oasis‘ „Wonderwall“ versetzt mich immer zurück an Bord der „Noorderlicht“, den 2-Mast-Schoner mit dem ich, als ich 15 Jahre alt war, durch arktische Gewässer geschippert bin.

Hier ein Teil unserer USA Playlist:

In den USA haben Tobi und ich auch fleißig gefilmt. Was Tobi aus dem (teilweise echt grottigen) Material gezaubert hat, könnt ich euch hier anschauen.

Wie haltet ihr eure Erinnerungen am Leben?

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