L – wie Liebe … oder Loser

Da Toby mich ja bereits als Tinderella geoutet hat und ich auch kein Geheimnis aus meinem (streng genommen nicht vorhandenen) Liebesleben mache, können wir hier ja mal ganz offen reden. Ich werde oft gefragt (von schrägen Tanten, alten Nachbarn, Freunden, meinen Eltern und sogar Fremden), wie es denn sein könne, dass ich mir noch keinen gutaussehenden jungen Mann, mit geregelten Einkommen und unwiderstehlichem Charme geangelt hätte, der mich in den nächsten zwei Jahren heiraten könnte, mit mir eine Fußballmannschaft an Kindern zeugt und mit dem ich bis ans Ende meines Lebens glücklich und verliebt vor mich hin vegetieren kann. Abgesehen davon, dass diese Vorstellung von meiner Zukunft leichten Brechreiz bei mir auslöst, ist das einfacher gesagt als getan. Ich bin keine dieser Frauen, die bei Männern diesen „Wow-Effekt“ auslöst, wenn sie einen Raum betreten. Ich würde nicht behaupten, dass ich hässlich bin. Wirklich nicht. Kein Topmodel vielleicht, aber auch nicht dick. Sagen wir einfach, ich bin schön auf den zweiten Blick. Ich bin auch nicht auf den Kopf gefallen und bin generell mehr als nur „nett und interessant“. Da kann man sich natürlich schon mal die Frage stellen, warum ich zur Gruppe der Dauersingles (und bei Dauersingle sprechen wir in meinem Fall von inzwischen fast sieben Jahren) gehöre. Witzigerweise scheinen sich andere mehr daran zu stören als ich selbst. Mein Lieblingssatz ist: „Keine Sorge, für dich finden wir auch schon noch jemanden“. Dazu hätte ich mal eine Frage an alle, die diesen Satz so gerne sagen: Sagt ihr das mehr zu euch oder zu mir? Ich mach mir da ehrlich gesagt nämlich keine Sorgen. Und seid ihr eigentlich der Meinung, dass ich das alleine nicht hinbekomme, oder warum müssen wir jemanden für mich finden? Also falls diese Worte aufbauend sein sollen, dann geht das eher nach hinten los. Das nur mal so nebenbei.
Wenn ich jetzt von mir als Dauersingle spreche, dann soll das aber keineswegs heißen, dass ich keine Dates habe. Viele glauben, nein, sie sind der festen Überzeugung, dass meine Ansprüche viel zu hoch seien. Vielleicht war das auch mal so. Ich wollte im Disney-Stil von einem attraktiven Prince Charming – einer Mischung aus Orlando Bloom, Channing Tatum und einem griechischen Gott – mit einem IQ wie Albert Einstein und dem Humor von Adam Sandler – erobert werden. Das war so etwa mit 13. Knapp zehn Jahre später hab ich meine Ansprüche dann doch soweit zurückgeschraubt, dass ich schon mit jemandem wahnsinnig glücklich wäre, dessen Humor halbwegs mit meinem kompatibel ist, der wenigstens den Eindruck macht, intelligent zu sein und der nicht aussieht wie Quasimodo. Nennt mich oberflächlich, wenn ihr der Meinung seid, dass ich dem Äußeren zu viel Bedeutung beimesse. Aber seien wir doch mal ehrlich, wer ist das nicht? Schließlich sind es nicht die inneren Werte die wir zuerst sehen, sondern das Gesicht. Außerdem hat meine Mama immer gesagt: „Kind, das Auge isst mit“. Gut, der Zusammenhang war ein etwas anderer, aber eigentlich ist das trotzdem ganz passend. Oder denkt ihr bei einem richtig widerlich aussehenden Essen: „Oh, könnte aber ja richtig lecker sein“? Ich glaube nicht. Ich denke, ihr esst es einfach nicht. Aber zurück zu meinen Dates. Ich möchte an dieser Stelle gerne noch einmal klar stellen, dass ich durchaus auch ohne die Unterstützung von Dating-Apps und Co. schon an Verabredungen gekommen bin.Aber da ich Männern wohl das Gefühl gebe, ein Angst einflößendes, sie mit Haut und Haaren verschlingendes Monster zu sein, trauen sie sich in der Regel nicht, mich anzusprechen. Und da ich bei Typen, die mir wirklich gut gefallen, leider immer etwas schüchtern werde (ich weiß, schwer vorzustellen), gestaltet sich das alles ein bisschen schwierig. Ich muss auch sagen, dass die Dates, die auf klassische Art und Weise zu Stande gekommen sind, jetzt nicht unbedingt immer der Brüller waren. Einmal hab ich mich mit dem Sohn einer Schulfreundin meiner Mutter zum Frühstück getroffen.  Ein Schnittchen, sag ich euch. Sportlich, attraktiv, lustig und selbstbewusst. Super Fang. Wir haben uns von der ersten Minute an super verstanden, haben zusammen gelacht und ich hab die neidischen Blicke der anderen Mädchen, die auch in dem Café saßen, unendlich genossen. Klingt perfekt oder? War es auch. Bis sich unsere nette Unterhaltung in ein Verkaufsgespräch verwandelte und ich kapiert habe, dass er mich nur eingeladen hatte, weil er mir irgendwas andrehen wollte. Dass ich mir bei ihm absolut garkeine Hoffnungen machen brauchte, wurde mir dann spätestens bei unserem Abschied klar, als er meinte: „Es war wirklich schön mit dir, wir können ja mal unverbindlich in Kontakt bleiben“. Unser Kontakt blieb so unverbindlich, dass ich nie wieder was von ihm gehört habe, was vermutlich daran lag, dass ich an seinen Produkten weniger Interesse hatte als an ihm selbst.

Auch bei Tinder und Lovoo war ich bisher wenig erfolgreich. Da treiben sich für gewöhnlich aber auch weniger Leute herum, die auf der Suche nach Dates und einer Beziehung sind, als solche, die Ausschau nach einer schnellen Nummer halten. Meistens laufen die Gespräche da folgendermaßen ab, sollte es mal zu einem Match kommen oder beantwortet man eine Chatanfrage:

Er: Hi
Du: Hi
Er: Wie geht’s?
Du: Gut.
Er: Guck mal, das hier ist mein Penis.

tinderella

In 0,01 % der Fälle läuft ein Gespräch auch mal anders und führt tatsächlich zu einem Date. Aber Date ist ja auch nicht immer gleich Date. Offensichtlich gibt es da verschiedene Auffassungen, wie sich so etwas gestaltet. Mein persönliches Highlight der letzten sechs Monate (definitiv fünf von fünf Sternen) war, als ich mich mit einem jungen Mann, der seinen besten Kumpel im Schlepptau hatte (nennen wir die Zwei mal Hakan und Mustafa) in einer Großraumdisco im Frankfurter Industriegebiet getroffen habe. Wer zur Hölle bringt einen Kumpel mit zu seinem Date?! Es war Ladies Night und es gab für Frauen bis Mitternacht Freiverzehr im Wert von 30 Euro. Dreimal dürft ihr raten, wer die 30 Euro versoffen hat. Als unserem dritten Rad am Wagen irgendwann zu langweilig wurde, sind wir wieder jeder unserer Wege gegangen.
Oft ist bei mir auch einfach das Problem, egal wo oder wie man sich kennengelernt hat, dass es so läuft wie bei einer Partie Monopoly. Er hat schon drei Bahnhöfe gekauft und baut sein zweites Hotel in der Parkallee, während ich noch etwas planlos auf dem Los-Feld steh.

Das klingt vielleicht etwas übertrieben, aber ich mein das todernst. Ich war mit einem Kerl nur ein einziges Mal zusammen im Kino, da hat er schon die Hochzeitsglocken läuten gehört. Er war schrecklich verliebt und weil er zwei Wochen später in eine andere Stadt ziehen wollte, hat er mich schon ganz panisch gefragt, wie ich denn zum Thema Fernbeziehung stehen würde. Tut mir leid, aber da war bei mir schon „Game over“.
Ich könnte euch stundenlang solche Geschichten erzählen, ohne mich zu widerholen. Das kann auf Dauer schon mal etwas frustrierend sein. Einmal war ich schon so weit, dass ich mich von einer Freundin hab überreden lassen zum Speeddating zu gehen. Das war aber eigentlich ziemlich lustig. Nicht, dass da irgendwas Brauchbares dabei gewesen wäre, aber als Mittel gegen Langeweile super geeignet. Euch sollte allerdings klar sein, dass sieben Minuten wirklich sehr lang sein können, wenn ihr euch erklären lassen müsst, welche Ernährung für Goldhamster die geeignetste ist und mit was man die kleinen Racker auf keinen Fall füttern sollte.
Ich möchte euch jetzt aber auf gar keinen Fall den Eindruck vermitteln, dass ich verzweifelt auf der Suche nach dem Mann meines Lebens bin. Die Verzweiflung kommt nur phasenweise. Sicherlich würde sich meine Mama sehr freuen, wenn ich ihr mal einen potentiellen Schwiegersohn oder auch eine Schwiegertochter vorstellen würde. Aber Single zu sein hat auch viele Vorteile. Man kann sich quer ins Doppelbett legen, ohne jemandem seine Füße ins Gesicht zu halten. Man muss sich nicht rechtfertigen, wenn man mal eine Nacht mit seinem besten Freund im selben Bett verbringt. Niemand stört sich daran, wenn man den knackigen Fitnesstrainer anschmachtet. Man kann auf einer Party mit drei verschiedenen Personen rumknutschen ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Man umgeht gruselige Pärchenabende und –aktivitäten, bei denen  man sich gegenseitig erzählt, wie glücklich und verliebt man ist. Man muss sich nicht streiten, ob die Krawatte nun zum Kleid passt oder nicht. Wenn ich genauer darüber nachdenke, frag ich mich, ob ich für diese Beziehungskiste überhaupt gemacht bin. Für manche von euch scheint es ja DAS Ziel im Leben zu sein. Allerspätestens mit 30 verheiratet, ein Hund, drei Kinder, das eigene Haus im Bau (selbstverständlich mit Carport für das Familienauto). Ich hab nur immer das Gefühl, dass mit dieser Einstellung so viel Druck aufgebaut wird. Genießt doch lieber euer Leben. Wenn es kommt, dann kommt’s und wenn nicht – auch gut! Oder wie ein großer Poet mal bei Tinder zitiert hat:
„You may not always end up where you thought you were going, but you will always end up where you are meant to be.“

l-wie-liebe

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2 Gedanken zu “L – wie Liebe … oder Loser

  1. Guido says:

    Da hast du dich ganz schön nackig gemacht meine Liebe. Kompliment für den Mut und vor allem die Schreibweise. Klasse!

    Tröste dich mit kleinen Gelüsten und Freuden bis mal jemand kapiert was du drauf hast. Villeicht musst du schlicht mal dein Umfeld ändern ;-)

    Am Ende richtet es doch wieder Gevatter Zufall. Du wirst sehen!!!

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