Du bist im Recall!

Vor ein paar Wochen habe ich hier einen Text veröffentlicht, der sich mit meinem quasi nicht vorhandenen Liebesleben beschäftigt hat. Ich habe darüber gelästert, dass sich bei Dating Apps, z. B. tinder, ziemlich seltsame Gestalten rumtreiben. Jetzt hab ich seit niedlichen 8 Wochen einen Freund, und dreimal dürft ihr raten, wo ich ihn kennengelernt habe. Unseren Kindern (falls wir in hoffentlich weiter Zukunft irgendwann mal welche produzieren sollten) werden wir wohl erzählen, dass es beim Entenfüttern im Park war. Ich möchte euch hier jetzt nicht erzählen, wie unfassbar schön das alles ist und wie glücklich ich bin, mir nach sieben Jahren Singledasein endlich mal wieder einen vernünftigen und sehr attraktiven Kerl geangelt zu haben. Jedem der schon mal verliebt war, erzähl ich damit eh nichts Neues.match_recall

Viel spannender sind die Reaktionen von meiner Familie und Freunden diesbezüglich. Denn ganz offensichtlich habe ich im Lotto gewonnen. Den Jackpot geknackt. DAS Ziel erreicht, das meinem Leben einen Sinn gibt. Anders lassen sich die Glückwünsche gar nicht interpretieren. Meine Eltern waren so aufgeregt, als ich erzählt habe, dass ich jemanden date, der mir zur Abwechslung mal gefällt, dass sie ihn am liebsten schon eine Woche nach unserem eigenen Kennenlernen gerne getroffen hätten. Drei Wochen nach Tag X hat mein Vater schon vorgeschlagen er könne ja im nächsten Jahr mit in den Familienurlaub nach Dänemark kommen, „wenn sich das so weiterentwickelt“.
Einen Tag vorher, beim Geburtstagsfrühstück meines Papas, hat mein Bruder mich gefragt, warum ich ihn denn nicht gleich mitgebracht hätte. Muss ich ernsthaft auf sowas antworten?
Meine beste Freundin hat auf die Nachricht, dass ich jemanden date geantwortet: „Wuhuuu endlich mal kein Vollidiot?“ und hat diesen Ausdruck der grenzenlosen Freude noch mit drei Partyhütchen-Emojis  unterstrichen. Diese Beispiele sind alles keine Einzelfälle, und mich beschleicht so langsam das Gefühl, dass diese Menschen mich wohl in den letzten Jahren für einen ziemlich hoffnungslosen Fall gehalten haben. Versteht mich bitte nicht falsch. Ich finde es schön, dass sich alle so freuen. Ich freu mich ja selbst. Aber ein bisschen übertrieben finde ich das Ganze schon.
Und damit ist ja noch nicht genug. Denn neben der ganzen Euphorie erwarten alle offensichtlich noch, mitentscheiden zu dürfen, ob wir tatsächlich zusammen sein sollten.
„Dir ist schon klar, dass ich ihn nochmal abchecken muss?“
Hätte ich ihn vorher durch ein 10-stufiges Bewerbungsverfahren schicken sollen? Und erst wenn er von meiner Familie, meinen Freunden, meinem Arbeitgeber und Stiftung Warentest mit der Note 1 – sehr gut – bewertet wurde, darf ich meinen Beziehungsstatus bei Facebook ändern?

Ich dachte ja immer ich hätte es als Single schwer, wenn ich bei lovoo von gruseligen Menschen Chatanfragen bekommen habe. Aber gruselige Anfragen bekommt man auch, wenn man sich in festen Händen befindet. Ich spreche von Doppeldates. Tut mir leid, Leute. Ich bin nicht der Typ, der am Sonntag einen Picknickkorb packt, das pastellfarbene Twinset aus dem Schrank holt und sich dann mit einem befreundeten Pärchen beim Tretbootfahren über das Verliebtsein austauscht.
Ich bin übrigens auch keine multiple Persönlichkeit. Nur mal so nebenbei. Denn das scheint der eine oder andere neuerdings auch zu denken. Ständig werde ich Sachen gefragt wie „Was macht ihr am Wochenende“, „Habt ihr Lust ins Kino zu gehen?“, „Mögt ihr Sushi?“

Jetzt gibt es ja noch die Menschen, die behaupten mich würde so etwas nur stören, weil ich so lange Single war und ich nur ein bisschen Zeit bräuchte, bis ich mich an dieses Beziehungsgedöns gewöhnt hätte. Pustekuchen! Die Wahrscheinlichkeit, dass ich in Indien in ein Ashram eintrete und dort ein Schweigegelübde ablege, ist höher, als dass ich mich daran gewöhne, dass mein Beziehungsstatus erst gesellschaftlich voll akzeptiert wird, wenn ich mir eingestehe, dass ich alleine eigentlich nur noch auf die Toilette gehen darf. Und fürs Protokoll: ICH mag kein Sushi.

Auch wenn ich nicht mit meinem Freund zu einer Symbiose verschmelzen möchte – Sorry, Süßer, wenn du das erwartet hast – macht unsere Beziehung Spaß. Es ist nicht ganz einfach, jemanden zu finden, der mit meiner abgedrehten Art klarkommt, und dass er in den ersten zwei Wochen nicht gleich wieder die Flucht ergriffen hat, spricht sehr für ihn.

Und ganz egal, was alle anderen für Erwartungen an unsere Beziehung haben, meine sind erfüllt und ich bin damit mehr als zufrieden!

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