Vergessene Freu(n)de

Als ich noch jünger war, und mit jünger meine ich nicht vor einem Jahr, sondern im Grundschulalter, hatte ich einen Freund. Ich mochte ihn wirklich sehr, und eines Tages hab ich ihn einfach nach der Schule mit nach Hause gebracht und bei mir wohnen lassen. Ihr könnt euch die Begeisterung meiner Mutter sicher vorstellen. Er war ihr ständig im Weg und irgendwann hatte sie genug von ihm. Mir fehlte dafür jedes Verständnis. Er war doch so unfassbar süß. Wie konnte man also jemals genug von ihm haben? Irgendwann wurde es meiner Mama dann aber wirklich zu bunt. Süß hin oder her. Mein Freund musste gehen. Ich dachte, es wäre nur ein Abschied auf Zeit, aber einige Wochen später verschwand er ganz aus meinem Leben, und ich habe ihn bis heute nicht mehr wiedergesehen.
Ihr fragt euch inzwischen sicherlich, was ein Beitrag über einen Freund aus meiner Vergangenheit in der Rubrik „Food“ zu suchen hat. Das  ist schnell erklärt. Denn mein Freund – sein Name ist Hermann – war ein Kuchen(-teig).

hermann-rezept-head

Natürlich nicht irgendein Kuchen. Hermann war etwas Besonderes. Man bekam ihn als Baby, zusammen mit einer „Pflegeanleitung“, dem sogenannten Hermann Brief. Man musste ihn füttern und konnte dabei zusehen, wie erwuchs und gedieh. Bis er irgendwann ein ausgewachsener prächtiger Teig war, endlich bereit, ein leckerer Kuchen zu werden. Bevor man ihn aber in den Ofen schob und ihn zu diesem wirklich leckeren Kuchen werden ließ, nahm man drei Tassen von dem Teig ab. Wenn ich mir das gerade nochmal so durch den Kopf gehen lasse, hat es ein bisschen was von Adam und Eva. Nur dass sich bei Hermann nicht 100% feststellen ließ, ob es nun seine Rippe war, aus der man etwas Neues schuf. Also die drei Tassen. Zwei davon verschenkte man mit dem kopierten oder abgeschriebenen Hermann Brief an Freunde. Die dritte behielt man natürlich selbst und züchtete den nächstenHermann heran, während man den fertigen Kuchen zu einem leckeren Becher Kakao genoss. Und so vermehrte und verbreitete sich Hermann wie ein Lauffeuer. Bis er dann eines Tages einfach verschwand. Aber wo ist Hermann jetzt? Ich bin nach wie vor der Meinung, jeder sollte einen Hermann haben. Auch wenn ich mir sicher bin, dass nicht nur meine Mama mir an dieser Stelle widersprechen würde. Ich würde Hermann schrecklich gernewieder zum Leben erwecken. Nur leider gibt es da ein Problem. Die Grundschüler von heute hängen genauso süchtig vor ihren Smartphones wie jeder andere auch und teilen Posts bei Facebook. Wie cool wäre es denn aber, wenn sie nicht nur bei Instagram Fotos von Kuchen (#Birthdaycake), sondern im richtigen Leben einen echten Kuchen mit ihren Freunden teilen würden?

Wer mit mir einer Meinung ist, findet hier das Rezept zum Ansetzen eines Hermanns und den dazugehörenden Hermann Brief. Nicht nur „Haribo macht Kinder froh und Erwachsene ebenso“, Hermann kann das auch. Also auf geht’s! Lasst uns Hermann zurück ins Leben holen!

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